Wenn Sie kritisiert werden, bleiben Sie gelassen

Bei negativer Kritik gelassen zu bleiben, ist gar nicht so einfach. Besonders wenn diese auch noch unsachlich oder nicht gerechtfertigt geäußert wird. Wenn wir uns dann ärgern oder aufregen, haben wir ein Problem beim Denken: Unser kritisches Urteilsvermögen wird eingeschränkt.

In meinen Trainings zum Thema Feedbacktechniken frage ich die Teilnehmer regelmäßig, wer von ihnen kritikfähig sei. Oft höre ich die Antwort, es käme darauf an wer und wie man es sagt. Echte Kritikfähigkeit kann allerdings mit allen Variationen der Kritik angemessen umgehen. Eine Voraussetzung dafür ist Gelassenheit.

Bei Kritik gelassen bleiben

Dass viele nicht gelassen bleiben können, hat etwas mit unserer Lerngeschichte zu tun. Ob Erziehung oder Bildungssystem, Fehler werden bestraft („6 – setzen!“). Wir haben es gelernt, keine Fehler machen zu dürfen. Daher reagieren wir emotional negativ, wenn wir auf die eigenen Fehler aufmerksam gemacht werden.

Diese emotionale Reaktion ist in unserem Körper ein für alle gleich geltender biologischer Ablauf: Es meldet sich der im Stammhirn gespeicherte Überlebensinstinkt – ganz automatisch bzw. unbewusst. Bei Gefahr sorgt er dafür, dass unser Körper möglichst unbeschadet die Situation meistert. Dafür regelt er die Körperfunktionen: Blutdruck steigt, Adrenalin wird ausgeschüttet, Muskeln werden angespannt.

Das kostet viel Energie, die an anderer Stelle eingespart werden muss. Ein Großverbraucher an Energie wird dafür heruntergeregelt: die Großhirnrinde. Logisches Denken brauchen wir nämlich in lebensbedrohlichen Situationen nicht mehr. Da reichen unsere, ebenfalls im Stammhirn gespeicherten, archaischen Verhaltensmuster: Angriff, Flucht oder Starre.

In wirklich lebensbedrohlichen Situationen eine hervorragende Funktion kann zum Nachteil in vermeintlich bedrohlichen Situationen werden: Der verbale Angriff! Die darauf folgenden Reaktionen wie der Gegenangriff, die Flucht aus der Situation oder die schockierte Wortlosigkeit kennen wir nicht nur aus Film und Fernsehen.

Grundsätzlich kann gesagt werden: Je größer die negative Emotion, je kleiner das kritische Urteilsvermögen und je größer wiederum die Handlungsbereitschaft. Das heißt, wir handeln schneller obwohl wir nicht 100%ig logisch denken können. Möglicherweise ist unsere Handlung dann unangemessen.

Gelassen bleiben lernen

Trainieren Sie daher gelassen zu bleiben, auch das ist ein Lernprozess. Nehmen Sie Ihre Gefühle in der Situation bewusst wahr. Was verändert sich in Ihrem Körper? Versuchen Sie dann die negativen Gefühle zu steuern, kontrollieren Sie Ihren Blutdruck, bleiben Sie cool! Nur so finden Sie logische Lösungsansätze und handeln möglicherweise angemessen. Oder „schlafen Sie eine Nacht darüber“…sofern die Situation es zulässt.

Herzliche Grüße,

Frank Thiel
Trainer für Kunden- und Gästekommunikation im Tourismus

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